Der 8. Mai muss ein Feiertag werden!

Zum Tode von Esther Bejarano

Wir sind sehr traurig über den Tod von Esther Bejarano und gedenken ihrem Mut, ihrem unerschütterlichen Antifaschismus und ihrer Lebensfreude.

Auf Initiative von und mit Esther haben wir rund um den 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus das Engagement für einen Feiertag am 8. Mai verstärkt. Wir kämpfen in ihrem Sinne weiter für unser gemeinsames Anliegen, den Tag der Befreiung zum Feiertag zu machen und für eine friedliche, gerechte und menschliche Welt.

Bei der Festkundgebung am 8. Mai 2021 konnten wir gemeinsam Esthers Rede zum 76. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus sehen. Wir konnten und können auch weiterhin viel von Esther Bejarano und ihrem humanistischen Engagement lernen:

„Ich appelliere an alle Menschen: bitte, bitte schweigt nicht, wenn ihr Unrecht seht. Streitet für eine andere, bessere Gesellschaft ohne Diskriminierung, Verfolgung, Antisemitismus und Rassismus. Bleibt erschütterbar – und widersteht – wie der Hamburger Dichter Peter Rühmkorf schrieb. Seid solidarisch! Helft einander! Achtet auf die Schwächsten! Bleibt mutig! Ich vertraue auf die Jugend, ich vertraue auf euch! NIE WIEDER FASCHISMUS – NIE WIEDER KRIEG!“

(Esther Bejarano in ihrer Rede zum 76. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus am 3. Mai 2021) https://www.youtube.com/watch?v=rWQFNKtun6Y

An dieser Stelle erinnert das Auschwitz Komitee und die Familie Bejarano an Esther: https://www.auschwitz-komitee.de/5792/mir-lebn-ejbig/

Hamburger Ratschlag für den 8. Mai als Feiertag am 10. Juli 2021

„Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschla­gung des NS-Regimes. Wie viele andere aus den Konzentrationslagern wurde auch ich auf den Todesmarsch getrieben. Erst Anfang Mai wurden wir von amerikanischen und russischen Soldaten befreit. Am 8. Mai wäre dann Gelegenheit, über die großen Hoffnungen der Menschheit nachzudenken: Über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit.“ 

Esther Bejarano in einem offenen Brief an die Regierenden und alle Menschen, die aus der Geschichte lernen wollen, erstellt am 26. Januar 2020...

Als Hamburger Ratschlag für den 8. Mai als Feiertag – als antifaschistische Aktive aus aller Welt in Hamburg, aus Schulen und Hochschulen, Gewerkschaften, Parteien und ihren Jugenden, aus Kunst- und Kultureinrichtungen sowie Stadtteilzentren, Geschichtswerkstätten und Gedenkorten, aus verschiedenen Religionsgemeinschaften, aus den Verfolgtenorganisationen, zivilgesellschaftlichen und sozialen Initiativen sowie Friedens- und Umweltbewegung, aus migrantischen Selbstorganisationen – sind wir im Sinne des Aufrufs von Esther Bejarano aktiv.

Wir wollen dafür wirken, dass der 8. Mai ein Feiertag wird, damit der Tag der Befreiung im kollektiven Bewusstsein die Bedeutung bekommt, die im gebührt, und wir gemeinsam aus der Geschichte lernen können: Für die Verwirklichung der Schlussfolgerung von 1945 „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ und für die Gestaltung einer besseren Gegenwart und Zukunft, für Frieden, internationale Solidarität, soziale Gleichheit, demokratische und kulturelle Entfaltung und gegen Rechts.

In diesem Sinne haben wir den 8. Mai 2021 mit einer Festkundgebung zur Befreiung auf dem Hamburger Rathausmarkt begangen. In einem Bühnenprogramm mit Beiträgen aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik haben wir an die Opfer des Nazi-Regimes und die Widerstandskämpfer*innen erinnert, ihre Gedanken und Werke aufgerufen sowie (vor)gelesen, uns mit den Ursachen des deutschen Faschismus zu dessen Beseitigung auseinandergesetzt und die Erkenntnisse aus 1945 „für eine Welt des Friedens und der Freiheit“ (Schwur von Buchenwald) für die heutigen Auseinandersetzungen lebendig gemacht und gefeiert. Auf einem „Weg des Widerstands“ haben ringsherum Initiativen, Bündnisse und Einrichtungen an Infotischen die Bedeutung der vielfältigen Facetten des Widerstands gegen die faschistische Verfolgung und Unterdrückung und der Befreiung von 1945 für ihre antifaschistische Tätigkeit heute vorgestellt.

Eine Dokumentation der Aktivitäten zum Tag der Befreiung 2021 entsteht in diesem Rückblick auf den 8. Mai 2021. Eine Video-Rückschau des Bühnenprogramms ist bereits hier zu finden und wird sukzessive um alle Beiträge des Bühnenprogramms erweitert: https://www.youtube.com/playlist?list=PLd7kCtNoJ1bnibMuuyb0MlMxK6sVZrWkX

Der 8. Mai muss zum Feiertag werden. Unterschreibt deshalb auch die Petition von Esther Bejarano und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA): https://www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat

Als antifaschistisch Bewegte ist unsere gemeinsame Aufgabe: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Werdet in diesem Sinne gemeinsam mit uns aktiv: Wenn ihr an der Verwirklichung des 8. Mais als Feiertag in Hamburg mitwirken möchtet, kommt gern zu unseren monatlichen Treffen. Unter Termine findet ihr weitere Informationen, wann, wo und wie Ihr euch beteiligen könnt.