Internationale Solidarität und die Rolle Chinas im weltweiten antifaschistischen Kampf 1931 bis 1949
Der Zweite Weltkrieg begann nicht erst mit dem Überfall des Deutschen Reiches auf Polen. Schon der Angriff des faschistischen Italiens auf Äthiopien 1935, der Spanische Bürgerkrieg ab 1936 und der Besatzungskrieg Japans gegen China seit Juli 1937, dem die Besatzung der Mandschurei durch Japan 1931 vorausging, gehört in diese Geschichte.
Der japanisch-chinesische Krieg endete erst im September 1945 mit der Befreiung Chinas von der faschistischen „Achsenmacht“ Japan. China agierte in diesem Krieg als Partner der antifaschistischen Alliierten und kämpfte zugleich um seine nationale Souveränität für die Befreiung von den europäischen Kolonialmächten. Im Verlauf dieses Krieges in China starben schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Chinesen und 400.000 bis 500.000 japanische Soldaten.
Der Anteil Chinas an der Befreiung von Faschismus ist in Europa wenig bekannt. Dabei ist dieser Befreiungskampf entscheidend dafür gewesen, dass sich die Sowjetunion auf die Befreiung Europas von der Wehrmacht konzentrieren und die Unterwerfung des Pazifikraums unter japanische Herrschaft überwunden werden konnte.
Mit dieser Lesung will das RIS einige Spotlights auf diesen Aspekt des internationalen antifaschistischen Befreiungskampfes und seine Wirkung bis heute werfen.
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Personen:
Li Qiang Gunhild Berdal
Studentin der Uni Hamburg Mona Mansour
Mao Tse-Dung Lucas Ribeiro
Erster Zeitungsleser Jhino Diaz
Zweiter Zeitungsleser Omar Abuanzeh
und Erzählerin Golnar Sepehrnia
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Einspielung: „Auf dem Tai-Hang-Berg“:
https://www.youtube.com/watch?v=NBaoAO8iy2g
Li Qiang:
„Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
in diesem Jahr jährt sich der Sieg im Antifaschistischen Weltkrieg zum 80. Mal. Es ist zugleich der 80. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen. Vor 80 Jahren wurde der Faschismus in unerschrockenen Kämpfen von unzähligen heldenhaften Männern und Frauen auf der ganzen Welt besiegt.
Und die Vereinten Nationen wurden auf der Grundlage ihres Ideals einer Welt ohne Krieg gegründet, was den Beginn einer außergewöhnlichen Reise zum Aufbau der internationalen Nachkriegsordnung und zur Verfolgung von Frieden und Entwicklung markierte.
(…)
Auch wenn sich die Welt, in der wir leben, enorm verändert hat, bleibt das Ideal, sie zu einem besseren Ort zu machen, unverändert. Wenn wir zurückblicken, können wir eine Reihe wertvoller Erkenntnisse gewinnen.
1. Erstens sind Frieden und Entwicklung das stärkste gemeinsame Bestreben der Menschen aller Länder. 80 Jahre lang hat ein weitgehend friedliches internationales Umfeld zu einem bemerkenswerten Wachstum der Weltwirtschaft geführt. Heute, da der Wunsch nach Frieden und Entwicklung weltweit noch stärker wird, ist es die Pflicht unserer Generation, die Kräfte für Frieden und Entwicklung weiter zu stärken.
2. Zweitens sind Solidarität und Zusammenarbeit die stärksten Triebkräfte für den menschlichen Fortschritt. In den stürmischen Jahren des weltweiten antifaschistischen Krieges haben Länder mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen, Geschichten und Kulturen ihre Differenzen überwunden, Seite an Seite gekämpft und gemeinsam gesiegt.
(…)
Solidarität hebt alle empor, während Spaltung alle hinabzieht.
(…)
3. Drittens sind Fairness und Gerechtigkeit die wichtigsten Werte, die von der internationalen Gemeinschaft angestrebt werden. Die Geschichte erinnert uns immer wieder daran, dass die Welt Gefahr läuft, sich zu spalten und zurückzufallen, wenn Macht das Recht bestimmt.
Sollte die Ära des Gesetzes des Dschungels zurückkehren und die Schwachen den Starken zum Opfer fallen? Die menschliche Gesellschaft würde noch mehr Blutvergießen und Brutalität erleben.
(…)
Die Menschheit steht erneut an einem Scheideweg.
Jeder, dem die Lage der Welt am Herzen liegt, würde sich fragen: Warum konnten wir Menschen, nachdem wir so viele Schwierigkeiten überwunden haben, nicht mehr Gewissenhaftigkeit und Vernunft an den Tag legen und einander mit Freundlichkeit begegnen und friedlich zusammenleben?
Wie können wir angesichts skrupelloser Hegemonie und Schikane aus Angst vor Macht schweigend und unterwürfig bleiben?
Und wie können wir zulassen, dass die glühende Leidenschaft und das Engagement unserer Vorfahren bei der Gründung der UNO einfach in den Seiten der Geschichte verblassen?
Wir Chinesen sagen oft: „Vergiss niemals, warum du angefangen hast, dann kannst du deine Mission erfüllen.“
Als ich dieses Mal am UN-Hauptquartier ankam, sah ich über 190 Nationalflaggen, die vor dem Gebäude aufgereiht waren und im Wind wehten.
Ich habe die Skulpturen gesehen.
Lasst uns Schwerter zu Pflugscharen schmieden und die Gewaltlosigkeit mit ihrer bewährten Botschaft lautstark verkünden.
(…)
China ist bereit, gemeinsam mit allen Seiten koordinierte und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um konkretere Lösungen anzubieten und den Weltfrieden und die Entwicklung zu fördern.
1. Erstens müssen wir angesichts der Unbeständigkeit und Turbulenzen in der Welt gemeinsam für Frieden und gemeinsame Sicherheit arbeiten. Alle Länder gehören zum selben globalen Dorf und sind in Sicherheitsfragen aufeinander angewiesen.
(…)
2. Zweitens müssen wir angesichts des schleppenden globalen Wachstums die Zusammenarbeit neu beleben und Win-Win-Ergebnisse anstreben. Eine Hauptursache für die derzeitige weltweite Konjunkturflaute ist die Zunahme einseitiger und protektionistischer Maßnahmen wie Zollerhöhungen und die Errichtung von Mauern und Barrieren.
(…)
3. Drittens müssen wir angesichts der dynamischen Interaktionen zwischen den Zivilisationen den Dialog und das gegenseitige Verständnis fördern.
Jede Zivilisation hat ihren einzigartigen Wert und ihr einzigartiges Erbe und verdient Anerkennung und Respekt. Die Besessenheit von sogenannter zivilisatorischer Überlegenheit oder ideologisch geprägten Kreisen führt nur zu mehr Spaltung und Konfrontation.
(…)
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
(…)
China hofft, gemeinsam mit der übrigen Welt die Ideale der Vereinten Nationen hochzuhalten, den Geist des Multilateralismus weiterzuführen, die vier großen globalen Initiativen aktiv umzusetzen, auf das hohe Ziel des Aufbaus einer Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Zukunft für die Menschheit hinzuarbeiten und unsere Welt zu einem harmonischeren und schöneren Ort zu machen.
Vielen Dank.“
Erzähler:
Es sprach Chinas Premierminister Li Qiang im Jahr 2025 bei der 80. Generalversammlung der Vereinten Nationen über 80 Jahre seit der Gründung der UN. Aber woher kommt dieser historische Optimismus? Ist es nur ein Grosskopf der Regierung oder steckt mehr dahinter?
Eine chinesische Studentin der Universität Hamburg berichtet uns aus ihrer Zeit am Gymnasium in China wie die „Roten Lieder“ das Erbe der Befreiungsbewegung heute wachhalten.
An jedem 9. Dezember wird an chinesischen Schulen an einen Aufstand von Studierenden gegen die japanische Okkupation im Jahre 1935 erinnert:
„Der Hintergrund der Bewegung vom 9. Dezember liegt in der sich 1935 verschärfenden Aggression Japans gegen China. Am 9. Dezember 1935 gingen Studierende in Peking auf die Straße und riefen Parolen wie „Gegen den japanischen Imperialismus“, „Beendet den Bürgerkrieg“ und „Einigkeit im Widerstand nach außen“. Sie zogen zunächst los, um eine Petition einzureichen; nachdem diese jedoch erfolglos blieb, wandelte sich die Aktion in eine Demonstration. Diese studentische Bewegung hatte schnell weitreichende Auswirkungen:
Unter dem Einfluss der Proteste in Peking kam es in vielen Städten Chinas zu weiteren patriotischen Studentenaktionen, und die Bewegung gegen Aggression und für nationale Einheit entwickelte sich rasch zu einer landesweiten Massenbewegung.
Um an diesen historisch bedeutsamen Tag zu erinnern, veranstalten heute viele chinesische Gymnasien an diesem Datum Chorwettbewerbe oder gemeinsame Singveranstaltungen. In der Regel tritt jede Klasse mit einem selbst ausgewählten Lied vor Lehrkräften und Mitschülern auf. Traditionell entscheiden sich die meisten Klassen für Lieder mit Themen wie Antikrieg und Antifaschismus.
Grundsätzlich ist die Liederauswahl relativ frei. Ich erinnere mich, dass wir einmal gemeinsam mit unserer Musiklehrerin über die Auswahl diskutiert haben. Einige Mitschülerinnen und Mitschüler meinten, dass sich die Lieder jedes Jahr stark ähneln und lediglich von unterschiedlichen Klassen vorgetragen werden. Daher schlugen sie vor, auch einmal moderne Stücke, etwa aus der Popmusik, zu wählen. Die Musiklehrerin zeigte Verständnis und betonte, dass die Entscheidung letztlich bei uns liege, wies jedoch darauf hin, dass an einem Tag mit einer solchen historischen Bedeutung traditionelle Antikriegslieder besonders angemessen seien. Am Ende entschieden wir uns nach dem Mehrheitsprinzip dennoch für ein Lied mit
Antikriegsthematik. Es heißt übersetzt in etwa: „Vergesst niemals unsere ursprünglichen Bestrebungen!“ Im Mittelpunkt des Textes steht das 100-jährige Bestehen der Kommunistischen Partei Chinas und es geht darum, den beschwerlichen Weg vergangener Ereignisse zu erinnern und für eine bessere Zukunft zu kämpfen.
Besonders eindrücklich ist mir in Erinnerung geblieben, dass dies mein letztes Chorsingen in der Schulzeit war. Während der Aufführung begleitete uns ein Mitschüler am Klavier, und jede bzw. jeder von uns hielt eine rote Rose in der Hand. Gegen Ende des Liedes ließen wir zudem weiße Tauben als Symbol des Friedens fliegen, was der Darbietung einen besonders symbolischen Abschluss verlieh.“
Erzähler
„Die Roten Lieder“ sind beliebt.
Zum Beginn hörten wir: „Auf dem Tai-Hang-Berg“ – ein Lied aus dem Freiheitskampf.
„Die rote Sonne scheint über dem Osten,
die Göttin der Freiheit singt laut und frei.
Seht die tausend Berge, die tiefen Schluchten, wie eine Mauer aus Bronze und Eisen,
das Feuer des Widerstands brennt auf dem Taihang-Berg.
Auf dem Taihang-Berg,
unermesslich hoch ist unser Mut,
unermesslich hoch.
Hört, die Mütter rufen: „Söhne, kämpft gegen Japan!“
Frauen schicken ihre Männer an die Front.
An die Front!
Wir stehen auf dem Taihang-Berg,
die Berge hoch, der Wald dicht,
unsere Truppen stark, die Pferde kräftig.
Von wo immer der Feind vorrückt,
dort soll er untergehen.“
Anlässlich des 90. Gründungstages der Kommunistischen Partei wurden diese „Roten Lieder“ gesammelt und kuratiert. Dieses Revival ist Teil einer Rückbesinnung auf Aspekte der frühen Mao-Ära in der offiziellen Staatskultur. Die Wurzeln der Lieder lassen sich in die chinesische Volksmusik und die Zeit der bürgerlichen Revolution um 1919 zurückverfolgen. Die meisten Lieder entstammen der Zeit der japanischen Besatzung seit 1931, des antifaschistischen Befreiungskrieges seit 1935 und des Bürgerkrieges zwischen 1945 und 1949, der in der Gründung der Volksrepublik China mündete. Zum Teil dienen sie der Ehrung und der Vermittlung des Erbes der kommunistischen und der Befreiungsbewegung sowie Mao Tse-Dungs. Zum Teil sind sie organischer Ausdruck der Befreiungskämpfe, des Leidens, der Entbehrungen und der Hoffnungen und Ziele der Bevölkerung im Kampf gegen Krieg, Feudalismus sowie gegen die japanische und europäische Besatzung Chinas.
Heute werden diese Lieder volksmusikalisch gesungen, bereichern Straßentheater, sind Gegenstand von Schulaufführungen, werden in Opern und Pop-Kultur massenhaft verbreitet und sind fester künstlerischer Teil staatlicher Großveranstaltungen und Paraden.
Einer der Anführer dieses Freiheitskampfes war der spätere Chef der Kommunistischen Partei und Staatgründer…
…Mao Tse-Dung:
Über die Internationale antifaschistische Einheitsfront, 23. Juni 1941:
„Die faschistischen Machthaber Deutschlands haben am 22. Juni ihren Angriff auf die Sowjetunion entfesselt. Diese hinterhältige und verbrecherische Aggression richtet sich sowohl gegen die Sowjetunion als auch gegen die Freiheit und Unabhängigkeit aller anderen Nationen. In diesem heiligen Krieg des Widerstands gegen die faschistische Aggression verteidigt die Sowjetunion sowohl ihr eigenes Territorium als auch die Gesamtheit der Nationen, die darum kämpfen, sich vor der faschistischen Unterjochung zu retten.
Gegenwärtig besteht die Aufgabe der Kommunisten in der ganzen Welt darin, die Völker aller Länder zu mobilisieren, um eine internationale Einheitsfront zu organisieren, um gegen den Faschismus zu kämpfen, die Sowjetunion zu verteidigen, China zu verteidigen und die Freiheit und Unabhängigkeit aller Nationen zu wahren. In der gegenwärtigen Phase müssen alle Anstrengungen auf den Kampf gegen die faschistische Unterjochung konzentriert werden.“
Erzähler
Über die Wende im Zweiten Weltkrieg, 21. Oktober 1942 – während der Schlacht um Stalingrad:
„[…] heute wie früher leben viele Menschen im Irrtum über die Offensivhandlungen Deutschlands und glauben, dass dieses noch den Sieg erringen könne. […] In der Geschichte der Menschheit stürzt sich jede reaktionäre Kraft an der Schwelle des Todes ausnahmslos in einen letzten und verzweifelten Kampf gegen die revolutionären Kräfte; oft lassen sich gewisse Revolutionäre vorübergehend von diesem Phänomen scheinbarer Stärke täuschen, das eine innere Schwäche verbirgt, und verkennen die wesentliche Tatsache, dass der Feind dem Ende nahe ist, während sie selbst kurz vor dem Sieg stehen. Das Vorrücken der Gesamtheit der faschistischen Kräfte und die Angriffskriege, die sie seit einigen Jahren entfesselt haben, stellen gerade die Agonie der reaktionären Kräfte dar, und im gegenwärtigen Krieg markiert der Angriff auf Stalingrad das letzte verzweifelte Röcheln eben dieser faschistischen Kräfte. […] Diese Schlacht stellt nicht nur eine Wende im sowjetisch-deutschen Krieg und im weltweiten antifaschistischen Krieg dar, sondern auch eine Wende in der Geschichte der gesamten Menschheit. […] Hitler hat drei mächtige Feinde vor sich: die Sowjetunion, England und die Vereinigten Staaten sowie die Völker der von ihm besetzten Gebiete. An der Ostfront steht die Rote Armee, eine unerschütterliche Festung, mit all ihren Gegenoffensiven, die während des gesamten zweiten Winters und auch danach aufeinanderfolgen werden; dies sind die Faktoren, die über den Ausgang des Krieges und das Schicksal der Menschheit entscheiden werden. An der Westfront werden England und die Vereinigten Staaten, auch wenn sie weiterhin eine Politik des Abwartens und der Verzögerungen verfolgen, früher oder später die zweite Front eröffnen, sobald sie sich auf den bereits sterbenden Tiger stürzen können. Darüber hinaus gibt es noch eine innere Front gegen Hitler: der große Volksaufstand, der in Deutschland, Frankreich und anderen Orten Europas keimt. Sobald die allgemeine Gegenoffensive der Sowjetunion entfesselt ist und die Kanonen der zweiten Front gedröhnt haben, werden die Völker Europas mit der Eröffnung der dritten Front antworten. So wird eine konvergente Offensive von drei Fronten gegen Hitler der große historische Prozess sein, der auf die Schlacht von Stalingrad folgt.“
Erzähler
Während der Befreiung in Deutschland fand der VII. Kongress der Kommunistischen Partei Chinas statt. Von Ende April bis Anfang Juni diskutierten Genoss:innen aus ganz China über die Erfolge in Europa, ihre Internationale Bedeutung und die Schlussfolgerungen für eine Beendigung der Krieg zulande. Dazu fassten sie einige Beschlüsse:
Erstens – Über „Das Volk“ am 24. April 1945:
„[D]er allgemeine Lauf der Geschichte ist bereits klar vorgezeichnet und wird sich nicht ändern. Dies ist übrigens nur schlecht für die Faschisten und die Reaktionäre der verschiedenen Länder, die sie in Wirklichkeit unterstützen, während es für das Volk und für die organisierten demokratischen Kräfte aller Länder ein Glück darstellt. Das Volk, und nur das Volk, bildet die Triebkraft in der Schöpfung der Weltgeschichte.“
Zweitens – Über die zwei Schicksale Chinas am 23. April 1945:
„Die Kanonen der Roten Armee sind bereits in Berlin zu hören, dessen Fall möglicherweise
unmittelbar bevorsteht. Im Osten nähert sich ebenfalls der Sieg im Krieg zur Zerschlagung des japanischen Imperialismus.
Unser Kongress tritt also am Vorabend des endgültigen Sieges im antifaschistischen Krieg zusammen. Dem chinesischen Volk öffnen sich zwei Wege – der Weg des Lichts und der Weg der Finsternis. Zwei Schicksale erwarten China – ein Schicksal des Lichts und ein Schicksal der Schatten. Der japanische Imperialismus ist noch nicht besiegt. Und selbst nach dieser Niederlage werden die zwei Zukunftsperspektiven offen bleiben: entweder ein unabhängiges, freies, demokratisches, vereinigtes, starkes und prosperierendes China, das heißt ein strahlendes China, ein neues China, in dem das Volk die Freiheit erobert hat, oder das andere China, halbkolonial und halbfeudal, gespalten, arm und schwach, das heißt das alte China.“
Drittens – Über das Problem der Kultur, der Erziehung und der Intellektuellen am 24. April 1945:
„Das Unglück, das die fremde Unterdrückung und die feudale Unterdrückung über das chinesische Volk gebracht haben, hat auch unsere nationale Kultur beeinträchtigt; die progressiven Kultur- und Bildungseinrichtungen, die Kulturschaffenden und die progressiven Erzieher haben ganz besonders gelitten. Um die fremde und feudale Unterdrückung zu beseitigen und einen Staat der neuen Demokratie aufzubauen, brauchen wir eine große Anzahl von Erziehern und Lehrern, die dem Volk ergeben sind, sowie Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker, Ärzte, Journalisten, Schriftsteller, Literaten, Künstler und einfache Kulturschaffende, die dem Volk gleichermaßen ergeben sind. […] Die Beseitigung des Analphabetentums unter den achtzig Prozent der Bevölkerung stellt eine lebenswichtige Aufgabe für das neue China dar. Es müssen angemessene und entschlossene Maßnahmen ergriffen werden, um die versklavende Kultur und Erziehung feudalen und faschistischen Typs zu beseitigen. Energische Maßnahmen müssen unternommen werden, um Epidemien und andere Krankheiten, die die Bevölkerung heimsuchen, zu verhüten und zu heilen sowie die medizinischen Hilfs- und Hygienedienste für das Volk auszuweiten.“
Erzähler
Soweit Mao Tse-Dung.
Aus der sich aufbauend Beendigung des Weltkriegs – durch die alliierten und antifaschistischen Kräfte weltweit – entstanden weitreichende Schlussfolgerungen für den Aufbau einer Welt des Friedens und sozialen Wohlergehens.
Die Überschreitung von Feudalismus, Kapitalismus und Faschismus war auch für ein Land mit Millionen organisierten Bauern und Arbeitern nicht einfach. Reaktionäre Kräfte besonders aus den USA und England haben zur Spaltung der Einheitsfront zwischen rechts-nationalistischer Koumintang und Kommunistischer Partei Chinas und einem Bürgerkrieg beitragen.
Und wie verarbeiten deutsche Genossen und Gegner diese Kämpfe in China zwischen 1931 und 1945?
Am 4. Februar 1932 berichtet die „Rote Fahne“, die Zeitung der KPD:
Erster Zeitungsleser
„Die Freigabe des Berliner Lustgartens für die Demonstration der Roten Arbeiterfront gegen den japanischen Imperialismus ist vom sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Grzesinski verboten worden. Diese Entscheidung steht in einer Linie mit der Billigung der Kriegsmaterial-Lieferungen nach Japan und an die chinesischen Nationalisten durch den Hamburger Koalitions-Senat.“
Und in der „Sächsischen Volkszeitung. Für christliche Politik und Kultur“ heißt es bereits am 8. Juli 1931:
Das „Hakenkreuzbanner. Das national-sozialistische Kampfblatt Nordwestbadens“ behauptet am 16. April 1935:
Zweiter Zeitungsleser
„Der Kampf der Regierung hat nicht nur lokale Bedeutung, sondern beeinflusst die politische Gestaltung des asiatischen Kontinents, indem der Krieg nicht nur gegen bestimmte rote Machthaber gerichtet ist, sondern gegen die Hammer- und Sichelstandarte als solche.“
Am 30. Dezember 1936 formuliert die „Sächsische Volkszeitung“ die Interessenlage des Deutschen Reiches klar:
Zweiter Zeitungsleser
„Der Anti-Komintern-Pakt, der im November von der Reichsregierung mit Japan geschlossen wurde, wendet sich nicht gegen ein Nationalchina. Er ist das Fundament der gemeinsamen Bemühungen, der bolschewistischen Schlange den Kopf zu zertreten.“
Gründliche Analyse bot die deutsche Exilpresse: Am 4. Februar 1938 hieß es in der „Sozialistischen Warte“ des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes:
Erster Zeitungsleser
„Die immer reaktionärer und ausbeuterischer auftretende Kuomintang unter Tschiang Kai Chek geht unter, und an ihre Stelle tritt, allmählich und unaufhaltsam, ein revolutionäres China. Das ist es, wovor die Defätisten Chinas und ihre imperialistischen Rückenstärker am meisten Angst haben.
Was die Strategie und Taktik der kommunistischen Führer angeht, so ist bekannt, dass sie auf einen konsequenten Guerillakrieg setzen. Ein Erfordernis dieser Taktik besteht freilich in der Bewaffnung der Bauernbevölkerung und der Durchführung einer Massenmobilisierung mit dem Ziel der Beteiligung Aller an einem revolutionären Freiheitskrieg. (…) Gerüchten zufolge nimmt die russische Unterstützung in den befreiten Gebieten Chinas weit konkretere Formen der Hilfe an, als dies in den anderen Gebieten möglich ist.
Uns erreicht außerdem die Nachricht aus Wuchang, dass es dort eine patriotische Studenten-Demonstration für die Fortführung des Widerstandes gab. Sie wurde von der Polizei mit Schüssen auseinandergetrieben. Aber der Widerstand setzt sich fort.“
Und „Asiaticus“, der deutsche Kommunist Moijshe (oder Heinz) Grzyb – ein Arzt, Journalist und Mitkämpfer der Neuen Vierten Armee der Kommunisten Chinas – berichtete für die im Prager Exil erscheinende „Neue Weltbühne“ am 9. Juni 1938:
Erster Zeitungsleser
„Ich sprach mit Mao Tse-Tung. In dem befreiten Gebiet in Nord-China liegt alle Autorität bei der chinesischen kommunistischen Partei und der „Achten Roten Armee“. Man verfolgt die Einheitsfront, die Idee, eine geeinte Nation gegen Japan zu stellen, eine geeinte Nation mit allen Waffen, allen Massen und allen Klassen und unter der gemeinsamen Führerschaft der Koumintang und der Kommunisten. (…) Mao Tse-Tungs Motto für diese Arbeit lautet: schärfstes und intensivstes Arbeitstempo und entschiedene, einheitliche politische Führung.“
Für die US-amerikanische Zeitschrift „Amerasia“ charakterisiert „Asiaticus“ die Bewegung für ein freies China mit folgenden Worten:
Erster Zeitungsleser
„Dieser Aufbruch für eine „neue Demokratie“, der bereits Millionen Chinesen im Kampf gegen Japan vereint hat, soll somit politische, wirtschaftliche und kulturelle Aktivitäten anregen und dadurch die Schwäche, Rückständigkeit und Trägheit des Volkes überwinden, damit eine nationale Katastrophe abgewendet werden kann. Ich bin überzeugt, dass China nur durch diese besondere Form des demokratischen Prozesses auf echte nationale Unabhängigkeit hoffen kann.“
Erzähler
Das schrieb der deutsche Antifaschist, wenige Jahre bevor er 1941 in China im Kampf gegen die japanischen Besatzer zu Tode kam. Noch vier Jahre Befreiungskrieg und weitere vier Jahre blutigen Bürgerkrieges hat es bis zum endgültigen Sieg der Kommunistischen Partei und zur Gründung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 gedauert.
Mao Tse-Dung – Über die Diktatur der Volksdemokratie, 1949:
„Man sagt uns: ‚Wir brauchen Welthandel‘.
Vollkommen richtig. Wir brauchen Welthandel. Wir wenden uns lediglich gegen die einheimischen und ausländischen Reaktionäre, die uns am internationalen Handel hindern, aber wir sind gegen sonst niemanden. […] Wenn wir alle Kräfte im In- und Ausland mobilisiert haben, um die chinesischen und ausländischen Reaktionäre zu vernichten, wird es Handelsaktivität geben, und es wird möglich sein, diplomatische Beziehungen mit den ausländischen Mächten auf der Grundlage von Gleichheit, gegenseitigem Vorteil und gegenseitigem Respekt vor der territorialen Souveränität aufzunehmen.
Man sagt uns: ‚Der Sieg ist auch ohne internationale Hilfe möglich‘. […]
Überlegen wir: Wenn es die Sowjetunion nicht gäbe, wenn man den Sieg im Zweiten Weltkrieg gegen den Faschismus nicht errungen hätte, wenn – was für uns von besonderer Bedeutung ist – der japanische Imperialismus nicht besiegt worden wäre, wenn in Europa nicht die Länder der neuen Demokratie entstanden wären, wenn sich der Kampf der unterdrückten Völker des Ostens nicht verstärkt hätte, wenn sich der Kampf der Volksmassen in den Vereinigten Staaten, in England, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan und anderen kapitalistischen Ländern gegen die herrschende reaktionäre nicht entwickelt hätte – wenn all diese Faktoren nicht existierten, wäre der Druck der internationalen reaktionären Kräfte natürlich viel stärker als jetzt.
Hätten wir unter solchen Umständen den Sieg erringen können?
Sicher nicht!“
Erzähler
Soweit erneut Mao Tse-Dung.
Gunhild und alle:
Als Referat für internationale Studierende (RIS) sind wir überzeugt, dass „Nie wieder Krieg!“ und „Nie wieder Faschismus!“ heute in Einheit zu verwirklichen sind!
Wir leben in Zeiten von enormem weltweitem Reichtum. Im Jahr 2025 stieg das Vermögen der Milliardäre – etwa 14,2 Billionen – dreimal schneller an als im Jahresdurchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre.
Währenddessen hat einer von vier Menschen regelmäßig nicht genug zu essen, und fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Armut. Und trotzdem werden Milliarden verschleudert!
Mit 2,47 Billionen Euro haben die globalen Militärausgaben 2026 einen neuen Höchst-Stand erreicht. Diese Hochrüstung einhergehend mit bereits begonnenen Kriegen wie in der Ukraine, gegen den Iran und Palästina erhöhen die Gefahr einer Epochen übergreifenden weltweiten Zerstörungen – einschließlich klimatischer Katastrophen und atomaren Krieges.
Die Frage „Zivilisation oder Barbarei?“ liegt auf dem Tisch.
Die chinesische antifaschistische Geschichte und die internationale Solidarität zeigen den Weg zu besseren Zeiten und eine soziale und friedliche Zukunftsperspektive. Die Entstehung der Vereinten Nationen ist das Meisterwerk der vereinten internationalen Kämpfe gegen Faschismus, Unterentwicklung und Krieg.
Die Schlussfolgerungen aus der Befreiung von diesem Elend sind heute zu ziehen.
Antifaschismus, Antikolonialismus und der globale Kampf zur Beendigung aller Kriege bilden eine Einheit mit der notwendigen Überwindung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Historisch und aktuell.
Also lasst uns den Tag der Befreiung feiern und unsere Kämpfe für globalen Frieden intensivieren.
Hoch die internationale Solidarität!
Einspielung: „Verteidigt den Gelben Fluss!“:
https://youtu.be/bS2Hv7ylslY?si=-k_qiMjl_nUPODlQ
Bibliographische Angaben:
Wolfram Adolphi: Wie Mao in die deutschen Köpfe kam; im Internat abrufbar: https://www.asiaticus.de/ueber-mao/ [abgerufen 6. Mai 2026]
David Bandurski: A Brief History of Red Songs; unter: chinamediaproject.org [abgerufen: 6. Mai 2026]
Jung Chang: Wilde Schwäne, München 1992.
Peter Lieb: Die globale Dimension: Der Krieg im asiatisch-pazifischen Raum 1937-1945, bpb: https://www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/der-zweite-weltkrieg/573344/die-globale-dimension-der-krieg-im-asiatisch-pazifischen-raum-1937-1945/ [Erstellungsdatum: 2.12.2025]
Ingar Solty: Mao Tse-Tung, Zur Einführung, Berlin 2025.
Plattform „Tricontinental.org“: https://thetricontinental.org/the-80th-anniversary-of-the-victory-in-the-world-anti-fascist-war/#toc-section-4 [abgerufen: 2. Mai 2026]
Li Qiang: „Never forget were we started“, Statement by Chinese Premier Li Qiang at the General Debate of the 80th Session of the United Nations General Assembly, 27. Sept. 2025; https://un.china-mission.gov.cn/eng/zgyw/202509/t20250927_11718404.htm
Oskar Weggel: Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert, Stuttgart 1989.
Mao Zedong: Mao Zedong Texte: Schriften / Dokumente / Reden / Gespräche. Deutsch-Chinesisch. Herausgegeben von Helmut Martin, München 1979/1982.